Ein Hauch von Nashville in Bayern

INTERVIEW:

Als waschechtes Münchner Kindl fällt es mir leicht in Mundart zu schreiben und meinen Gefühlen mit Worten Ausdruck zu verleihen.

Carina Offergeld, aka Carina May, ist Sängerin, Songwriterin und Vocalcoach. Im Interview erzählt sie von großen und kleinen Herausforderungen im Musikgeschäft, der Liebe zum Publikum und warum Bayerisch sich hervorragend zum Singen eignet.

F: Das Musikbusiness ist nicht einfach. Was berührt dich nach so langer Zeit im Geschäft noch?

A: Jeder Auftritt ist immer etwas anders, als der davor, und damit etwas ganz Besonderes. Die größte Wertschätzung für mein Schaffen empfinde ich, wenn nach dem Auftritt Leute aus dem Publikum auf mich zukommen um mir zu sagen, dass meine Musik sie emotional berührt hat. Als Vocal- und Songwriting Coach liebe ich die Momente, in denen ich merke, dass ich einem Schüler gerade wirklich weitergeholfen habe. Solche „Aha“-Erlebnisse teile ich gerne mit meinen Schülern und ich freue mich ehrlich mit ihnen. Ok, ein ganz klein bisschen stolz bin ich dann auch. (lacht)

F: Wie sieht eine typische Woche bei dir so aus?

A: Chaotisch und strukturiert zugleich. Montag ist zum Beispiel mein Übungs-, Büro und Sporttag. Dienstag, Mittwoch und Donnerstag sind für meine Schüler reserviert. An diesen Tagen gebe ich Einzelstunden aber plane mir auch noch genügend freie Zeit ein, in der ich dann selbst übe oder meine online Schüler betreue. Freitag und Samstag sind für Auftritte reserviert. Sonntag habe ich frei, außer, ich bin noch auf Tour. Manchmal kommen Auftritte unter der Woche dazu, dann muss ich meinen Plan umschmeißen. Aber genau das macht mein Leben ja so abwechslungsreich und spannend. Das fordert mich immer neu heraus.

F: Du bist Singer-Songwriter, gibst Gesangsunterricht in München, veranstaltest Musik-Retreats in Kroatien, hast eine eigene Online-Gesangsschule bei Udemy und dazu noch verschiedene Bandprojekte. Hast du einen personal assistant? 😉 Wie kriegst du das alles unter einen Hut?

A: Einen Assistenten hab ich leider nicht, wäre aber ein Traum! Ich habe mit der Zeit ziemlich gut gelernt, effiziente To do Listen zu schreiben und alles was erledigt werden muss noch mal nach Prioritäten zu sortieren. So ist immer überschaubar, was tatsächlich an einem Tag erledigt werden muss und wird dann einfach gemacht. Alles andere, was man zusätzlich schafft ist sozusagen ein Bonus. Außerdem mache ich jeden Morgen Yoga und meditiere, um den Tag achtsam zu beginnen. Auch das hilft mir, die Ruhe zu bewahren.

F: Welche Projekte stehen dieses Jahr noch an?

A: 2017 wird unsere neue CD veröffentlicht und wir gehen mit neuem Programm auf Tour. Eine spannende Zeit! Ich freue mich schon sehr, dem Publikum unsere neuen Songs vorstellen zu können. Außerdem bin ich gerade in der Planung eines zweiten Online-Gesangskurses. Nachdem mein erster Kurs mit über 2300 Teilnehmern sehr erfolgreich war, möchte ich das ausbauen und bald eine Fortsetzung anbieten.

F: Wovon erzählst du in deinen Songs?

A: Alle Songs schreibe ich ja in Teamarbeit mit meinem Mann Franz Offergeld. Die Songs sind immer davon inspiriert, was uns bewegt und umtreibt. Es geht um unsere Heimat München, die großen und vor allem die kleinen Dinge im Leben, Zusammenhalt und natürlich auch ein wenig die Liebe. Aber schmalzige und gefühlsüberladene Texte sucht man bei uns vergebens.

F: Und wie kam’s zu der bayerischen Mundart in der Musik?

A: Egal wie gut man selbst oder das Publikum Englisch spricht, es bleibt diese Millisekunde, die man für die Übersetzung braucht und genau diese raubt viel Gefühl und Authentizität. Wären da nur nicht so viele Konsonanten in unserer deutschen Sprache. Sie machen das Schreiben und Hören „eckig“ und „hart“. Bayerisch hingegen ist ein vokalreicher, melodischer Dialekt und als waschechtes Münchner Kindl fällt es mir leicht in Mundart zu schreiben und meinen Gefühlen mit Worten Ausdruck zu verleihen.

F: Angenommen du müsstest dich für ein Projekt entscheiden? Was wäre das und warum?

A: Das wäre immer die Arbeit an meinen Songs und die Live-Auftritte vor Publikum. Der Beruf Musiker, wenn man das überhaupt so sagen kann, ist eine Leidenschaft und Berufung die man nie aufgeben kann, wenn es einen erst mal gepackt hat. Wirtschaftliche Erfolge stehen immer an zweiter Stelle. Das macht uns ja auch zu Künstlern.

Mein Leben in 5 Worten: laut, leise, kreativ, verrückt und aufregend

Kurzbio:

Das „Rock´n´Roll Fieber hat mich schon sehr früh, im zarten Alter von 15 Jahren gepackt, und seither bin ich im In- und Ausland mit diversen Bandformationen unterwegs gewesen.
Heute arbeite ich mit großer Leidenschaft als Vocal Coach, Songwriterin, Studiosängerin, im Bereich Vocal Editing und als Musikerin!

AUSBILDUNG
Musikstudium in München / Schwerpunkt Songwriting und Komposition
Masterstudium Berklee College of Music / Schwerpunkte Songwriting und Gesang

Quelle Beitragsfoto: Marcus Botsch

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Alle Infos zur Ausstellung findet ihr hier:

http://www.muenchner-stadtmuseum.de/sonderausstellungen/gretchen-mags-mondaen-damenmode-der-1930er-jahre.html Außerdem interessant: Während meines Besuchs der Ausstellung bin ich zufällig auf die Urban Sketchers gestoßen. Eine weltweite Gemeinschaft von Künstlern, die vor Ort die Städte, Orte und Dörfer zeichnen, in denen sie leben oder zu denen sie reisen: http://germany.urbansketchers.org/ http://urbansketchersmunich.blogspot.de/