Duoklaas – come in and find out!

Eigentlich habe ich es noch gar nicht nötig. Mit meinen zarten 30 Jahren bin ich weit davon entfernt auch nur ansatzweise eine Anti-Faltencreme zu benötigen. Die Dame bei der Hautbehandlung – das sind die, die ihren Frust beim Pickelquetschen anderer Leute auslassen – sagte, ich könne locker noch warten, bis ich 36 bin. Die Haut macht das schon! Schließlich habe ich gute Gene geerbt, mache Sport und ernähre mich zuweilen sehr gesund. Bis auf die Schokolade. Die lasse ich mir nicht nehmen. Aber dunkle Schokolade soll sogar wegen der, na ja wegen irgendeiner Substanz eben, schon wieder gut für die Haut sein.Cute little girl with lipstick applying makeup, glamour kidFoto: Fotolia

Es liegt vielleicht an der schlechten Beleuchtung in meinem Bad, aber ich meine dennoch, dass sich morgens zu den üblichen Schatten unter den Augen feine Linchen gesellt haben. Kaum merkbar, und wenn ich nicht lache schon mal erst recht nicht sichtbar, aber ich sehe sie doch und überlege nun, ob es vielleicht doch Sinn macht – nur einmal wöchentlich oder so – ein bisschen … vorzubeugen.

Nicht lange zögern: HANDLEN!

Ich entschließe mich in der Mittagspause zu der Parfümerie meines Vertrauens zu gehen, um mir eine Einsteigervariante dieses Elexiers zu kaufen. Der Laden hat sich über die Jahre bewährt, denn es gibt bei jedem noch so kleinen Kauf Pröbchen, die man dann a) behalten kann, wenn sie gut sind oder b) weiter verschenken kann. Meine Freundin hatte mich vorher gewarnt. Sie war neulich auf der Suche nach einem Parfum und kam mit tausend Kleinigkeiten und einer Kundenkarte, die auch noch kostet (!), nach Hause. Aber ich bin ja kein Marketingopfer. Schnell rein und schnell auch wieder raus. Kann ja so schwer nicht sein.

„Schätzelein, mit DIESEN Wimpern hast du aber sicher schon vielen Männern den Kopf verdreht“

Ich betrete die duftende Duoklaas- Filiale (Name an dieser Stelle geändert, sonst muss ich am Ende noch blechen…) und steuere auf die Make-up Abteilung zu. Hoffentlich sieht mich keiner. Muss ja nicht jeder wissen, dass ich zu solchen Mitteln greife. Gerade, als ich einen Blick auf die fünf Meter Gesichtscremeregale erhasche, zerrt mich ein Mitarbeiter – nicht zuletzt an den perfekt gezupften und nachgezogenen Augenbrauen zu erkennen – zur Seite und drückt mich mehr oder weniger sanft in einen gepolsterten Drehstuhl. Vor mir eine Anrichte mit zig Fläschchen, Döschen, Stiftchen in allen Regenbogenfarben und ganz vielen Wattepads. „Schätzelein, mit DIESEN Wimpern hast du aber sicher schon vielen Männern den Kopf verdreht“, begrüßt mich die Duftwolke mit einem wissenden Augenzwinkern. Jaaa! Und dir verdrehe ich auch gleich den Kopf. Und zwar mit bloßen Händen, wenn du mich noch einmal ungefragt antatscht!

Schuldbewusst senke ich den Blick in meinen Schoß und denke: meine Schenkel waren auch schon mal schlanker!

„Ich möchte bitte eine Anti-Faltencreme kaufen!“, sage ich mutig. Alessandro – seinen Namen kann ich eben noch auf dem Schildchen an seiner Brust lesen – fackelt nicht lange, sondern nimmt beherzt einen großen Wattebausch in die Hand und entblößt mich mit einem Wisch. „Das kriegen wir schon hin, darling!“, ruft es, um kurz darauf mit geschürzten Lippen zu fragen: „Wieviele rauchst du am Tag?“ Mist! Er hat bemerkt, dass ich rauche. Ok, das heißt aber im Umkehrschluss, dass der Kerl was drauf hat. „Ist gar nicht gut für die Haut… und die Lunge, und die Mitmenschen“, fügt Alessandro tonlos hinzu. Schuldbewusst senke ich den Blick in meinen Schoß und denke: meine Schenkel waren auch schon mal schlanker!

„Kindchen, du könntest sooo viel aus dir machen. Mit ein bisschen…. Hilfe… siehst du aus wie die junge Audrey Hepburn!“

„Na dann lass mal sehen… Ein bisschen Mischhaut haben wir hier aber auch, nicht wahr?“ Mischhaut, habe ich gelernt, hat JEDER! Es sei denn, er oder sie hat trockene oder empfindliche Haut. Oder eine Hautkrankheit. Normale Haut gibt es nicht!! Soweit also kein Grund zur Beunruhigung. I’m on a mission. Und die heißt: Anti-Faltencreme besorgen. „Kindchen, du könntest sooo viel aus dir machen. Mit ein bisschen…. Hilfe… siehst du aus wie die junge Audrey!“, bemerkt mein Retter verzückt. Audrey Hepburn? Die mag ich 🙂 Die ist toll! Na wenn das so ist, soll er mal machen.

Nicht, dass ich eine Wahl gehabt hätte. Im Nu cremt, tönt, pudert und malt es auf mir rum. Grundierung, Concealer, Camouflage, flüssig-Make-up, Lidschatten, Eyeliner – VIIIIEEEL Eyeliner -, Wimperntusche und Rouge. „Nun nur noch das Puder zum Fixieren. Gleich haben wir es!“, quietscht Alessandro berauscht. Auch ich bin berauscht und bemerkt nicht, wie auf einmal ein entfernter Bekannter, ok Ex-Freund, mit seiner neuen Flamme neben mir steht. „Wie siehst du denn aus?“, fragt Dominik entgeistert. „Iff weiff nicht“, rufe ich erschwert durch die Puderquaste um meinen Mund. „Er hat gesagt, ich sehe aus wie Audrey Hepburn bei Breakfast at Tiffany’s“, delegiere ich die Verantwortung und zeige auf meinen Visagisten. Ok, das hat er so nie gesagt, aber bestimmt gemeint. Zu weiteren Rechtfertigungen ist keine Zeit. Die Neue zerrt Dominik unerbittlich weiter.

Sie hat definitiv mehr Falten, als ich, bemerke ich im Stillen und nicht ohne Genugtuung.

„Ich fasse es nicht“, sagt Alessandro, „Ein Unterschied wie Tag und Nacht!“ Auch ich betrachte mich fassungslos im Spiegel. Was ich sehe gleicht eher Liza Minelli in Caberet, als der jungen Audrey Hepburn. Die Gute würde sich im Grabe umdrehen, wüsste sie, wer sich hier in ihrem Namen an mir vergeht. „Wenn du Make-up, Lidschatten und Puder kaufst, kriegst du das Rouge gratis dazu, Liebes!“ Und schwups… habe ich einen tragbaren Einkaufskorb mit Produkten der Linie teuer in meiner Hand.

Auf dem Weg zur Kasse sehe ich noch wirklich hübsche Dekokerzenschalen. Die nehme ich auch noch mit. Machen sich bestimmt gut bei mir auf dem alten Holztisch in der Küche.

An der Kasse habe ich es fast geschafft. „Wenn Sie eine Kundenkarte kaufen, sparen Sie 10% auf diesen Einkauf und bekommen zu Ihrem Geburtstag einen 5-Euro Gutschein!“ Ich nehme doch keine…….Was? 10%??? Ist eigentlich nicht schlecht gespart… Ok gut, dann eben doch die Kundenkarte. Insgesamt spare ich also 15 €! 🙂 Wenn das nicht erfolgreiches Einkaufen ist! Jetzt aber zack zack. Die Mittagspause ist längst vorbei.

Auf dem Weg ins Büro fällt mir neben den verstohlenen Blicken vorbeilaufender Passanten auf: Ich habe die Anti-Faltencreme vergessen.

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Alle Infos zur Ausstellung findet ihr hier:

http://www.muenchner-stadtmuseum.de/sonderausstellungen/gretchen-mags-mondaen-damenmode-der-1930er-jahre.html Außerdem interessant: Während meines Besuchs der Ausstellung bin ich zufällig auf die Urban Sketchers gestoßen. Eine weltweite Gemeinschaft von Künstlern, die vor Ort die Städte, Orte und Dörfer zeichnen, in denen sie leben oder zu denen sie reisen: http://germany.urbansketchers.org/ http://urbansketchersmunich.blogspot.de/