Aber die Liebe ist die Grösste unter ihnen.

… oder warum wir schätzen, was wir längst nicht mehr brauchen. Bierflaschen statt Tischdeckchen. Die elf Freunde auf dem Klo statt zehn Flaschen Haarspray. Wäre das nicht fein?

IMG-20140901-WA0001

Männer und Frauen passen nicht zusammen! Bestseller erörtern dieses Phänomen, die Wissenschaft wetteifert um Ermittlung der Ursachen (sind Strukturen im Gehirn oder die Hormone schuld? Fing alles bei Keule versus Nähzeug an und wurde evolutionsbiologisch vererbt?) und Mario Barth verdient Millionen damit. Fragt frau Mann oder Frau, reichen Einschätzung und persönliche Erfahrung von humorvollem „keeps me on my toes“ zu „Männer haben doch alle einen Knall!“. Und doch gibt es sie. Die heterosexuelle Liebe und das partnerschaftliche Leben in unterschiedlichsten Erscheinungsformen. Ein wunderschönes Beispiel hierzu bieten Elliot und Bowie.

Frauen verdienen inzwischen ihren Lebensunterhalt. Und für schwierige Reparaturen gibt es myhammer.de

Und das in einer Zeit, in der Mädchen deutlich häufiger Abitur machen und studieren, als Jungs, sie längst ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten können. Und für aufwendigere Reparaturen im Haushalt gibt es myhammer.de. Aber auch Männer, die durch die Zicken und Hormonschwankungen der Frau geplagten Männer, könnten doch längst einfach mal ihr Ding machen und den Puma-Käfig in der Junggesellenwohnung kultivieren. Bierflaschen statt Tischdeckchen. Die elf Freunde auf dem Klo statt zehn Flaschen Haarspray.

Statt weiter zu fragen, was uns trennt, interessiert mich nunmehr die Frage, was Mann an Frau schätzt und umgekehrt. Warum bin ich mit dieser Person überhaupt zusammen? Ich ging also los, nicht weit, und befragte meinen hochkarätig besetzten Freundeskreis.

Bierflaschen statt Tischdeckchen. Die elf Freunde auf dem Klo statt zehn Flaschen Haarspray. Wäre das nicht fein?

Die Frage: was er oder sie an ihren jetzigen oder an vergangenen Partnern am meisten schätzen. Ich muss an dieser Stelle ehrlich sein. Ich erwartete deutlich mehr „ähms“ und „öhms“ und ratlose Pausen, als auf die Frage hin, was ihn oder sie am meisten auf den Wecker geht. Schließlich hinterlassen negative Ereignisse und Emotionen deutlichere Spuren im Gedächtnis, als Positive. Die Antworten überraschten mich. Es war weniger der Inhalt, als Gestalt und Schwingung, die die Antworten mit sich brachten.

Die Frage: Was schätzt du an deinem Partner? Die Antworten überraschten mich. Ich hatte deutlich mehr „ähms“ und „öhms erwartet

Eindeutig und mit Überzeugung erreichten mich die meisten Aussagen. „Ohne Caro würde ich einfach nichts mehr auf die Reihe kriegen!“, sagt er. „Am Ende entschuldigt er sich, obwohl es meistens mein Fehler war. Er weiß, dass ich das brauche, um mich wieder auf ihn zuzubewegen. Kein anderer hat das vorher kapiert“, erklärt sie mit einem dankbaren Kopfnicken. Es schien oft so, als erfuhren die Personen selbst erst in diesem Moment des Aussprechens, was ihr Gefühl in ihnen deutlich angelegt hatte. Nämlich die Wahrheit, die sich im Alltag oft aus Schutz vor Enttäuschung, Abhängigkeit und Selbstaufgabe zurückhalten und maskieren muss. Die sich zuweilen nur durch die Blume zu zeigen vermag, anstatt mit klaren Worten an das Objekt selbst gerichtet wird.

Am Ende entschuldigt er sich, obwohl es meistens mein Fehler war. Kein anderer hat das vorher kapiert.

Natürlich antworten einige der Befragten auch mit einer Liebeserklärungen im Konditionalsatz: Harun sagt über seine Sarah: „Ich könnte sie manchmal an die Wand klatschen, aber ich war noch nie so glücklich in meinem Leben.“ „Ich rege mich die meiste Zeit eigentlich nur über Leo auf“, sagt Jasmin, „aber sobald er mich in seine Arme nimmt, ist alles vergessen.“ „Im Tanzkurs hatten wir Partnertausch, aber Bernd ist mir doch noch am liebsten!“ Es waren oft natürlich auch oft Eigenschaften wie Humor, Klugheit und bedingungsloses Vertrauen, die Menschen an ihren Partnern schätzen und lieben.

Vielleicht ist es keine Sache des Brauchens oder des Wollens, sondern des Vermögens, das gemeinsame Glück zum Trotz der Hürden, die Unterbewusstsein und Alltag an uns stellen, zuzulassen. Und zu schätzen zu wissen. So dass man wie Herbert Grönemeyer über seine verstorbene Frau Anna sagen kann: „Es war ein Stück vom Himmel, dass es sie gibt.“

Foto: © Lisa Neale

Leave a reply:

Your email address will not be published.

Sliding Sidebar

Alle Infos zur Ausstellung findet ihr hier:

http://www.muenchner-stadtmuseum.de/sonderausstellungen/gretchen-mags-mondaen-damenmode-der-1930er-jahre.html Außerdem interessant: Während meines Besuchs der Ausstellung bin ich zufällig auf die Urban Sketchers gestoßen. Eine weltweite Gemeinschaft von Künstlern, die vor Ort die Städte, Orte und Dörfer zeichnen, in denen sie leben oder zu denen sie reisen: http://germany.urbansketchers.org/ http://urbansketchersmunich.blogspot.de/